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Mit dem KI:Expertisezentrum.nrw geht Nordrhein-Westfalen einen bedeutenden nächsten Schritt auf dem Weg der Hochschulkooperation für die Nutzung Künstlicher Intelligenz (KI). Das Projekt integriert Kompetenzaufbau mit Softwareentwicklung und dem Betrieb von Hardware-Infrastruktur. Dieser Ansatz ist bundesweit einmalig, stellt eine riesige Herausforderung dar – und eine riesige Chance.

Vorgeschichte

Die Geschichte des KI:Expertisezentrums beginnt zwei Jahre vor dem Durchbruch von ChatGPT. Damals – im Jahr 2020 – genehmigte das Ministerium für Kultur und Wissenschaft (MKW) des Landes Nordrhein-Westfalen das Projekt KI:edu.nrw. In einer Zeit, als sich noch kaum jemand für das Thema Künstliche Intelligenz an Hochschulen interessierte, war das eine mutige Entscheidung. Es handelte sich bundesweit um das erste landesgeförderte Projekt, das ausdrücklich den Einsatz von KI in der Hochschulbildung praktisch erproben und die Auswirkungen untersuchen sollte. Ein visionäres Vorhaben also, das damit zu kämpfen hatte, Menschen in den Hochschulen von der Relevanz des Themas zu überzeugen. Oft hieß es: „Sehr interessant – aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das funktioniert!“

Die Veröffentlichung von ChatGPT änderte alles. Innerhalb kürzester Zeit wurde deutlich, dass KI den Alltag an Hochschulen in vielerlei Hinsicht stark verändern wird. Im Umfeld von KI:edu.nrw entstanden in NRW nun dank weiterer Förderung durch das Land sehr früh zwei neue Projekte, die sich stärker auf technische Aspekte konzentrierten. Das Projekt KI:connect.nrw erarbeitete Software, dank derer Hochschulen ihren Mitgliedern einen datenschutzkonformen Zugriff auf KI-Modelle geben können. Das Projekt OpenSource-KI.nrw sondierte ergänzend dazu die Hardware-Seite des KI-Zugangs: Hier ging es darum, technische Infrastruktur für das Hosting von KI-Sprachmodellen bereitzustellen und zugänglich zu machen. Beide Projekte konnten ihre Ideen realisieren, sowohl die Zugangssoftware als auch die Hardware-Infrastruktur sind inzwischen in der alltäglichen Nutzung an den NRW-Hochschulen angekommen.

So naheliegend es sein mag, ist es doch in der oft kompetitiven Wissenschaftswelt eine Hervorhebung wert: Alle drei Projekte haben von Beginn an Hand in Hand miteinander zusammengearbeitet. So entstand im Juli des Jahres 2025 ein gemeinsames Strategiepapier mit Vorschlägen dafür, wie die Vorhaben in die Zukunft geführt werden könnten. Das Strategiepapier übersetzte die Schwerpunkte der drei Projekte in die Formel „Kompetenz, Inferenz, Apps“. Dieser Dreiklang wurde zum Fundament für die Idee eines gemeinsamen Vorhabens, das alle drei Handlungsfelder unter einem Dach zusammenführen soll – also für das KI:Expertisezentrum.nrw. Alle 36 öffentlichen Hochschulen in Nordrhein-Westfalen konnten für diese Idee gewonnen werden, sie alle unterstützen das Vorhaben gegenüber dem Wissenschaftsministerium. Umso größer ist die Freude, dass das MKW das vorgeschlagene Projekt nun tatsächlich bis Ende des Jahres 2030 fördert. Ohne diesen breiten Willen zu Kooperation und Unterstützung wäre das Vorhaben nicht möglich gewesen.

Projektidee

Was also ist die Idee? Es geht darum, dass Hochschulen den Kompetenzaufbau zu KI an Hochschulen selbst in der Hand behalten und auch die an Hochschulen eingesetzte KI-Infrastruktur soweit wie möglich selbst kontrollieren und gestalten können.

Stellen wir uns kurz das Gegenteil vor: Im entgegengesetzten Szenario würden die Hochschulangehörigen kommerzielle Dienste wie ChatGPT nutzen, die auf kommerziellen KI-Sprachmodellen beruhen und bei deren Nutzung die Eingabedaten auf kommerziellen Servern – beispielsweise in den USA – verarbeitet werden. Wie die jeweilige KI-Software sinnvoll genutzt werden könnte, würden die Nutzenden durch die Schulung kommerzieller Anbieter lernen. Ein solches Szenario führt zu vielen kritischen Fragen, beispielsweise: Was geschieht mit sensiblen Daten? Was, wenn die Preise steigen? Würden in kommerziellen Schulungen auch die problematischen Seiten von KI thematisiert? Was, wenn die US-amerikanischen Anbieter den europäischen Hochschulen kurzfristig den Zugang zu ihren Sprachmodellen sperren?

Dem entgegen steht das nun angestrebte Szenario: Hochschulangehörige schulen, vernetzen und beraten andere Hochschulangehörige selbst, benötigte Software-Anwendungen werden gemeinsam ausgearbeitet und auf Sprachmodellen aufgebaut, die auf Hochschulservern in Nordrhein-Westfalen abgelegt sind. Zwar sollen Hochschulen auch in diesem Szenario nicht auf kommerzielle KI-Dienste verzichten, aber sie sollen einen gewissen autonomen Raum erhalten, in dem sie die Art und Weise des KI-Einsatzes freier von externen Abhängigkeiten selbst in die Hand nehmen und gestalten können. Dabei soll das Projekt auch ein Ökosystem schaffen, in dem die Hochschulen innovativ und unter Nutzung von Synergieeffekten das KI-Zeitalter in der Bildungswelt aktiv mitgestalten können.

ℹ️ Das KI:Expertisezentrum.nrw auf einen Blick

Idee/ Ziel: KI-Kompetenz und KI-Infrastruktur an Hochschulen in NRW selbst aufbauen, kontrollieren und gestalten

Zielgruppe: alle Angehörigen von Hochschulen in NRW; Angebote stehen allen 36 öffentlichen Hochschulen zur Verfügung

Auftrag/Leistungen:

  • Aufbau und Transfer von KI-Kompetenz: Schulungen, Beratung, Vernetzung
  • Entwicklung und Betrieb von KI-Applikationen für den Hochschulbereich
  • Gemeinsame Hardware-Infrastruktur zur Wahrung der Datenhoheit

Mission/Leitlinien:

  • Digitale Souveränität: selbstbestimmte KI-Nutzung, Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern, Förderung von Open-Source- und Open-Weight-Modellen
  • Synergien heben: zentrale, ressourceneffiziente Bündelung; Zusammenarbeit hochschulintern, extern und landesübergreifend
  • Proaktives Gestalten: Vorreiter für die sinnvolle Bereitstellung und Nutzung vielfältiger KI-Anwendungen an Hochschulen

Projektangebot

Konkret ist in den Handlungsfeldern u.a. Folgendes geplant:

Kompetenz

Im Handlungsfeld „Kompetenz“ werden Hochschulangehörige in Nordrhein-Westfalen zum Thema KI geschult und beraten. Neben allgemeinen Informationen über KI gibt es thematische Schwerpunkte u.a. auf Hochschul-, Schreib- und Prüfungsdidaktik, AI Literacy und ethische Fragen sowie Avatare und agentische Systeme. Das Projekt kümmert sich auch um die Klärung rechtlicher Grundsatzfragen sowie um die Vernetzung der NRW-Hochschulen, u.a. durch Veranstaltungen wie die renommierte „Learning AID“-Tagung oder Veranstaltungen zum Forschung-Praxis-Transfer.

Apps

Im Handlungsfeld Apps geht es um die Bereitstellung eines datenschutzkonformen Zugangs zu KI-Modellen inkl. Nutzendenschnittstellen und Middleware (z.B. zur Abrechnung von Kosten). Zudem ist die Erarbeitung von Spezialanwendungen geplant, mit denen z.B. das Lernen oder Verwaltungsvorgänge unterstützt werden können. In diesem Handlungsfeld soll die KI-bezogene Anwendungsentwicklung für Hochschulen NRW-weit koordiniert werden, um so Synergien nutzen zu können und Parallelentwicklungen an allen 36 Partnerhochschulen zu vermeiden.

Inferenz

Im Handlungsfeld Inferenz steht das Hosting von KI-Modellen in landeseigener High Performance Computing-Infrastruktur im Mittelpunkt. Hierfür werden sog. Inferenzcluster aufgebaut, die über ein Gateway die gehosteten KI-Modelle bereitstellen. Die Server, von denen KI abgerufen wird, sollen in NRW stehen. Für diesen Zweck werden im Projekt keine eigenen KI-Sprachmodelle programmiert, sondern frei verfügbare Modelle aus dem Open Source und Open Weight verwendet. Auf diesen Modellen können dann Anwendungen aus dem Handlungsfeld Apps aufgebaut werden.

Die Handlungsfelder werden in enger Absprache miteinander arbeiten und praktisch in vielerlei Hinsicht verbunden sein. Verbindungen wird es aber auch nach außerhalb NRWs geben, da beispielsweise Vernetzungsangebote auch für andere Bundesländer offen sein werden und die Aktivitäten im technischen Bereich als Bausteine einer bundesweiten Architektur gedacht sind. So gibt es z.B. schon jetzt engen Austausch mit Vorhaben in Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg.

Chance und Challenge

Auch dieser Ansatz hat Herausforderungen. Ein Beispiel: Da viele Nutzende in den Hochschulen sich schon an kommerzielle Tools gewöhnt haben, muss in den Hochschulen der Wert autonomer KI-Infrastruktur gut kommuniziert werden. Ein zweites Beispiel: Da das Projekt mit seinen Entwicklungskapazitäten nicht mit den großen Tech-Firmen mithalten kann, müssen mit Bedacht diejenigen technischen Anwendungen und diejenigen Schulungsangebote erarbeitet werden, die in den Hochschulen besonders dringend gesucht werden. Damit all dies gelingt, wird das Projekt eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit betreiben sowie begleitend Bedarfe und Zufriedenheit mit den eigenen Angeboten erheben.

Insgesamt ist das Projekt für die NRW-Hochschulen aber eine riesige Chance, durch enge Vernetzung und professionelle gemeinsame Arbeit KI-Kompetenz aufzubauen und zu pflegen sowie Innovationen hervorzubringen. Das KI:Expertisezentrum.nrw wird in Nordrhein-Westfalen die weitere Entwicklung bei KI im Hochschulbereich maßgeblich prägen und über seine nationale und internationale Vernetzung auch weit über die Landesgrenzen hinaus ein zentraler Akteur bei KI in der Hochschulbildung sein. Wir haben Respekt vor den damit verbundenen Aufgaben, vor allem aber: Wir freuen uns darauf!

ℹ️ Weiterführende Informationen und Kontakt

Das KI:Expertisezentrum.nrw nimmt seine Arbeit am 1.7.2026 auf und wird vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen zunächst bis zum 31.12.2030 gefördert. Die Projektangebote stehen allen 36 öffentlichen Hochschulen in NRW zur Verfügung. Die Erarbeitung übernimmt ein Konsortium aus Ruhr-Universität Bochum (Konsortialführung), RWTH Aachen, Heinrich Heine-Universität Düsseldorf, Universität zu Köln, Fernuni Hagen, Technische Hochschule Köln und Fachhochschule Dortmund.

Fragen zu den Projektteilen beantworten die Sprecher der drei Handlungsfelder: Dr. Peter Salden (Handlungsfeld Kompetenz/ Gesamtprojektleiter), Prof. Dr. Malte Persike (Handlungsfeld Apps) und Martin Bovermann (Handlungsfeld Inferenz). Allgemeine Anfragen richten Sie bitte an kontakt@ki-expertisezentrum.nrw.

Auch wenn zu Beginn viele Informationen noch auf den Homepages der Vorgängerprojekte zu finden sein werden, entsteht schrittweise ein umfangreiches Informationsangebot auf der Seite www.ki-expertisezentrum.nrw.

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